Die Krankheiten

In der Regel gibt es nur sehr unklare Symptome, wenn Frettchen krank werden. Sie können sogar fast symptomfrei erscheinen, bis sie eines Tages tot im Käfig liegen. Es sei ausdrücklich betont: fast!!! symtomlos, denn ein Bezitzer, der seine Tiere ständig um sich herum hat (Frettchen brauchen viel Auslauf mind. aber 3 Std. pro Tag ) erkennt feinste Nuancen einer Veränderung und kann dann das Tier genauer beobachten oder vorsorglich dem Tierarzt vorstellen.
Bei sehr vielen Krankheiten kommt es nur zu allgemeinen Symptomen wie Appetitlosigkeit, stumpfem Fell, Fellausfall (lokal o. mottenfraß-ähnlich), verlängerten Ruhephasen, kürzeren Spielzeiten, Durchfall, eingezogenen Flanken, Zittern. Man muß kranken Frettchen immer wieder frisches Futter anbieten, da sie ein zweites Mal kaum an ihren Freßnapf gehen. Ebenso muß immer wieder Wasser direkt gereicht werden oder in Reichweite stehen (Nippeltränken gelten für kranke Frettchen als fast unereichbar), denn Frettchen, die nicht trinken, fressen auch nicht !! In extremen Fällen muss der Besitzer evtl. eine Aufbaunahrung oder Babybrei mit dem Löffel oder mit Zwang zufüttern.

Zahnstein

Frettchen sind sehr häufig von Zahnstein befallen. Bereits im ersten Lebensjahr kommt es zu Zahnbelag.
Vor allem Bananen, Bananenprodukte und Katzenmilch führen zu Zahnfleischentzündungen und schmierigem Zahnbelag. Dagegen dezimieren vor allem Trockenfutter und Frischfleisch, in größeren Brocken geboten, den Ansatz.

Fremdkörper

Gummi, Plastik, Ohrstöpsel, rohe Kartoffelstücke und anderes mußte schon aus einem Frettchendarm entfernt werden. Die Symptome sind nicht so deutlich wie bei Hund und Katze, da oft noch winzige Mengen schleimigen Kots abgesetzt werden. Die Tiere erbrechen und haben Untertemperatur oder schlafen nur vermehrt und verweigern die Futteraufnahme. Die Übelkeit beim Frettchen äußert sich oft durch Unruhe, Maulreiben, Kratzen auf dem Fußboden, sich mit der Vorderpfote am Maul kratzen. Als Therapie hilft hier nur möglichst rasch eine Operation.
 

Giardienbefall beim Frettchen

Giardienbefall beim Frettchen wurde lange Zeit unterschätzt, aber er ist ein gravierendes Problem geworden. Giardien sind die einzigen ernst zu nehmenden Endoparasiten beim Frettchen.

 
In der Frettchensprechstunde werden häufig Tiere mit Verdauungsstörungen vorgestellt. Dazu zählen Inappetenz  (z.B. aus psychischen Gründen, Trauer, Kummer), Erbrechen (z.B. Fremdköper, Pankreatitis, Leberinsuffizienz), Durchfall (Giardienbefall, Futterverweigerung, selten Infektion).
Ein chronisch rezidivierender, schleimiger, grünlicher oder brauner Durchfall deutet auf Giardien hin. Tiere, die unter heftigem Befall leiden, können auch wässrigen, übel riechenden Kot in Farben von grau bis orange haben, zum Teil mit Blutbeimengungen.
Obwohl die Art des Futters nicht verändert wird, ist der Kot zwischendurch durchaus normal geformt. Trotzdem können die Tiere austrocknen und werden inappetent.
Die Diagnostik bereitet häufig Schwierigkeiten, da gerade bei extremen Durchfällen nur eine geringe Menge an Giardien ausgeschieden wird und somit ein Test negativ ausfällt. Auch sind Giardien in der Lage, sich in die Gallenblase zurückzuziehen bzw. sich dort anzusiedeln.

Der Befall mit Giardien betrifft den gesamten Bestand. V.a. Jungtiere, ältere Frettchen ab 4 bis 5 Jahre und Tiere in Stresssituationen reagieren mit heftigem Durchfall und gestörtem Allgemeinbefinden. Der Grund dafür könnte zum einen eine schwächere Abwehr oder ein reduziertes Fressverhalten alter und trauernder Tiere sein, denn Frettchen, die schlecht fressen neigen generell zu Durchfall. Frettchen trocknen sehr schnell aus.


 

Verlaufsformen eines Giardienbefalls


 

1.        Akuter Verlauf
Der Durchfall ist schleimig bis wässrig in verschiedenen Farbschattierungen von farblos über grau, grün bis orange und braun, z.T. mit Blutbeimengungen und Futterbestandteilen.


linker Kothaufen ist unverdächtig

rechter Kothaufen ist verdächtig

Das Allgemeinbefinden der Frettchen ist hochgradig gestört mit Erbrechen und Exsikkose, so dass sogar Todesfälle möglich sind. Leider ist ein diagnostischer Test bei wässrigem Durchfall nur schwach positiv bis negativ (Verdünnungseffekt).

2.        Chronischer Verlauf
Ein milder, und frühzeitig erkannter Befall ist gut behandelbar, heilt aber meist nicht aus. Immer wieder kommt es in unterschiedlich langen Abständen zu schleimigem Durchfall mit reduziertem Fressverhalten. Das Allgemeinverhalten ist nur geringfügig gestört.

Wird die Diagnose Giardienbefall nicht gestellt und somit nicht dagegen behandelt, entwickelt sich ein chronisch rezidivierender Verlauf, bei dem trotz gleich bleibender Fütterung Kot in wechselnder Konsistenz während eines Tages zu finden ist. Das Allgemeinbefinden ist während eines akuten Schubs gestört, die Wasseraufnahme erhöht und die Futteraufnahme reduziert. Stresssituationen können einen solchen Schub auslösen und den Zustand der Tiere dramatisch verschlechtern.

Diagnose
 Für die Diagnostik stehen Elisa- oder PCR-tests zur Verfügung, wobei der PCR (z.B. Primagnost® Giardia H+K) hochspezifisch und sensitiv ist. Es sollte gut durchmischter Kot verwendet werden.


  

 

Therapie
Kot und kontaminiertes Katzenstreu sollten zeitnah und großflächig entfernt werden. Die Reinigungsgeräte und die beschmutzten Stellen im Katzenklo müssen „pingelichst“ nach jedem Kotkontakt gereinigt und desinfiziert werden. Da Frettchen die Angewohnheit haben, sich den Po durch Rutschen über den Boden zu reinigen, müssen auch diese Flächen gereinigt und desinfiziert werden, ebenso die Flächen in der Nähe eines Klos, an die Futter verschleppt wird. Das einzige Desinfektionsmittel, das wirkt ist Neopredisan®. Es wird am besten in einer entsprechenden Verdünnung mit Hilfe einer Sprühflasche aufgetragen. Es muss einwirken und die Fläche danach trocken sein. Mit dem Einsatz eines Dampfreinigers würden sich die Giardien zystieren und wären wieder infektiös. Eine Reinfektion muss möglichst gering gehalten werden, bedingt durch die Haltungsform von Frettchen kann sie nicht 100%ig vermieden werden.
Das einzig zugelassene Mittel gegen Giardienbefall ist Panacur® (Fenbendazol). Es sollte hoch dosiert (50-75mg/kg) und lange (5 Tage Gabe, 3 Tage Pause so lange diesen Turnus wiederholen, bis keines der Tiere mehr unter Durchfall leidet) gegeben werden. Die Therapie muss erneut durchgeführt werden, sobald wieder schleimiger Durchfall auftritt. Leider bestehen inzwischen Resistenzen gegen Fenbendazol.
Ein weiteres Mittel gegen Giardien wäre Metronidazol (15mg/kg 2x tgl.), das umgewidmet werden muss, leider extrem bitter schmeckt und zum Teil ebenfalls Resistenzen zeigt.
Als drittes Arzneimittel kann Spartrix® (Carnidazol, für Brieftauben zugelassen) in einer Dosierung von 5mg/250g Frettchen 1x tgl. eingesetzt werden. Als Dosierungsbeispiel benötigt eine Fähe mit 750g KGW  1½ Tbl. tgl.. Die Anwendung erfolgt über 5 Tage, drei Tage Pause mit Wiederholung bis keines der Tiere mehr Durchfall aufweist. Dieses Mittel wird, aufgelöst mit etwas Katzenmilch und Vitaminpaste vermischt, gut aufgenommen. Leider ist auch mit Spartrix® nicht immer eine Heilung zu erzielen, aber die Symptome können gelindert und die symptomfreien Abstände verlängert werden.
Zusatzpräparate gegen Durchfall oder zur Sanierung der Darmflora sind so gut wie unwirksam. Ebenso zeigen Spasmolytika beim Frettchen keine ausreichende Wirkung.
Das einzige Mittel, das den Flüssigkeitsverlust über den Darm etwas eindämmen kann und von den Frettchen akzeptiert wird, ist Flosa® Balance (Psilium). Es hat einen fruchtigen Geschmack und kann unter das Futter, auch Frischfleisch gemischt werden.
Einige Magendarmdiäten wirken ebenfalls stuhlfestigend, doch ist es häufig schwierig kränkelnde und damit inappetente Frettchen an unbekanntes Futter zu gewöhnen.


 

Zu beachten ist, dass es sich bei Giardienbefall um eine Zoonose handelt. Hunde, Katzen und Besitzer können sich anstecken.