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Verhalten
Bissigkeit
Nur die wenigsten Tiere aus privater Haltung sind wirklich
bissig. Ein übermütiges Zwicken beim Spiel zeigen die Tiere
untereinander und damit natürlich auch beim Menschen. Sie lernen
aber, vorsichtiger mit dem schmerzempfindlicheren Menschen zu spielen,
wenn dieser laut aufquietscht. Auch ein "Klaps" kann das Frettchen
bremsen. Unbekannte Tiere sollte man sich nie zu dicht an das Gesicht
halten, viele beißen gerne in Nase oder Lippe, ohne dass dies
böse gemeint wäre.
Nur selten sind Frettchen so unleidlich, dass sie sich schmerzhaft
verbeißen. Im Extremfall können sie einen "Beißkrampf"
bekommen, der nur schwer zu lösen ist. Die Tiere beißen
heftig zu, lassen etwas locker und beißen noch fester zu. Evtl.
lassen sich die Tiere durch Vitaminpaste o.ä. so ablenken, dass
sie loslassen. Ein Kieferaufbiegen kann evtl. dazu führen, dass
sich das Frettchen an das neue Opfer wendet und zubeißt. Auch
zugeführter Schmerz irgend einer Art führt dann nur zu noch
wütenderem Zubiss. Also Ruhe bewahren, die Tiere beruhigen und
ablenken.
Hungrige Jungtiere werden missmutig und können bei Manipulationen
heftig zubeißen. Dem Besitzer muss geraten werden, Futter ad
libitum bereitzustellen. Selbst die kurze Wartezeit beim Tierarzt kann
die Welpen zu "bissigen Raubtieren" werden lassen.
Einige Frettchen können z.B. nur ihren Besitzer leiden und
beißen alle anderen Menschen, oder sie können alle Menschen
gut leiden und nur eine bestimmte Person nicht. Da dieses Verhalten
reproduzierbar ist, ist davon auszugehen, dass Frettchen die Menschen
genau unterscheiden können. Stimmt diese sog. Chemie aber zwischen
Besitzer und Frettchen nicht, bleibt zum Wohle des Tieres nur die
Vermittlung in ein anderes Zuhause. Dort kann sich das Tier völlig
anders verhalten.
Fühlen sich Tiere in einer Pflegestelle nicht wohl, oder werden
sie zu Hause zu wenig artgerecht gehandelt oder zu selten aus dem
Käfig gelassen, können sie ebenfalls bissig werden.
Futterverweigerung
Die meisten trauernden Frettchen verweigern die Nahrungsaufnahme. Die
"Abschiebung" in eine unbekannte Pflegestelle oder der Verlust des
Partnertiers können für ein Frettchen eine so schlimme
Belastung bedeuten, dass es nach und nach weniger frisst. Diese
Inappetenz führt zu einem Teufelskreis: die Tiere bekommen
schleimigen, grünlichen Durchfall, der dann wässrig wird. Sie
trocknen immer mehr aus, werden apathischer, die Blutleberwerte steigen
an, bis die Tiere nur noch mit Zwang am Leben zu halten sind. Der
Verlust oder auch nur eine schwere Erkrankung des Partnertiers
können eine so extreme Futterverweigerung auslösen, dass das
zweite Frettchen nach zwei bis drei Wochen auch stirbt oder beide Tiere
gleichzeitig eingeschläfert werden müssen. Die einzige
Möglichkeit so einem trauernden Tier zu helfen, ist die
Gesellschaft eines ihm bekannten Frettchens. Wir raten deshalb allen
Frettchenbesitzern, kontinuierlich Kontakt zu anderen Frettchen zu
halten oder evtl. drei Tiere zu halten.
Bei kranken Tieren muss darauf geachtet werden, dass ständig
frisch angerührtes Futter angeboten wird und Wasser in gut
erreichbarer Nähe steht.
Ggf. müssen inappetente Frettchen drei mal täglich oder auch
alle 2 Std. mit Brei gefüttert oder zwangsernährt
werden.
Aufnahme eines neuen Frettchens
Integration eines neuen Frettchens in ein Rudel
Generell ist zu beobachten, dass je größer ein Rudel ist
desto schwieriger ist es, ein neues Mitglied zu integrieren. Es sieht
aus, als ob das Rudel "dicht macht", eines ist immer dabei, das den
"Neuen" nicht leiden kann. Häufig schließen sich die anderen
dem Mobbing an. Solange nur drei oder vier Frettchen im Bestand sind, wird ein neues
Tier, unabhängig von Geschlecht und Alter meist sofort mit
freundlichem "Gockern" als Kumpel aufgenommen. Kleine Reibereien mit
etwas Gequietsche und Nackenbeißen sind harmlose
Rangordnungskämpfe. Erst wenn dabei auch heftig geschüttelt
wird, der Rangniedere unter sich macht und herzzerreißend
schreit, sollten die Besitzer dazwischen gehen. Die Tiere sollten dann
aber nur kurzfristig getrennt und nur im Extremfall für
längere Zeit getrennt eingesperrt werden, denn jeder erneute
Kontakt bedeutet ein neues Aufgreifen der Rangordnungskämpfe.
Leider gibt es aber oft keine andere Möglichkeit und die Tiere
müssen nachts oder wenn der Besitzer das Haus verlässt in
verschiedene Käfige gesetzt werden. Jungtiere haben es
i.d.R. leichter, in ein Rudel aufgenommen zu werden, da sie sich besser
zur Wehr setzen als ältere. Welpen dagegen können evtl. so
stark bekämpft werden, dass es besser ist, sie bis zu einem Alter
von ca. 4 Monaten nur mit "netten" Rudelmitgliedern in Kontakt treten
zu lassen. Sie dürfen keineswegs nur isoliert gehalten werden, da
sie sonst das arttypische Sozialverhalten verlernen und bei jedem
Kontakt zu Frettchen sofort anfangen zu schreien. Sie sind dann ein
leichtes Opfer der übrigen Rudelmitglieder.
Ein Jungtier, das Partnertier für ein älteres Frettchen
werden soll, wird am besten von diesem ausgesucht. Das ältere
Frettchen wird einen Welpen im Nacken greifen und diesen unter
zeterndem Protest wegschleppen. Diese beiden werden unzertrennliche
Partner werden. Auch im neuen zu Hause wird sich dies abspielen. Der
Besitzer braucht sich nicht um das Baby zu sorgen, es wird ihm nichts
geschehen, da der ältere Mutter- bzw. Vaterrolle übernommen
hat.
Wenn der Welpe langsam geschlechtsreif wird, kann es aber für das
ältere Frettchen ziemlich belastend sein, da das Jungtier anfangs
spielerisch später ernsthafter Rangordnungskämpfe
ausführen möchte. Eine latent vorhandene Herzschwäche
bei dem älteren Frettchen kann in dieser Zeit zum Ausbruch kommen
oder eine bereits bestehende sich verschlimmern. Vielleicht lässt
sich der Besitzer dann zum Erwerb eines zweiten Jungtiers
überreden, damit zwei gleichstarke die normalen Kämpfe
ausführen können und das Alttier in Ruhe gelassen wird. Sie
werden sich mehr oder weniger heftig balgen, aber das ist nicht
böse gemeint. Sie lassen dabei das typische freudig erregte
"Gockern" hören.
Sobald zwei Rüden, auch Geschwistertiere allmählich
geschlechtsreif werden (z.T. bereits mit 4 Monaten), bekämpfen sie
sich intensiver. Sie beißen sich gegenseitig in den Nacken und
wälzen sich laut quietschend. Mit der Zeit entstehen krustige
Wunden. Erst wenn die Rüden kastriert sind, lässt dieses
Verhalten nach und sie werden untereinander zu friedlichen Gesellen.
Fremde Rüden, auch wenn sie kastriert sind oder Fähen
können aber wieder genau so bekämpft werden und es dauert oft
lange Zeit bis sie akzeptiert sind.
Ein kastrierter älterer Rüde ist dagegen problemloser bereit,
ein Weibchen in der Ranz als einen geschlechtsreifen
Jungrüdenrüden aufzunehmen.
Nicht nur Rüden sondern auch fremde, kastrierte Fähen
können sich lautstark bekämpfen. Sie verletzen sich jedoch
gegenseitig nicht so stark im Nacken wie es Rüden machen. Tiere,
die lange keinen Kontakt zu anderen Frettchen hatten, verlernen das
arttypische Sozialverhalten und gehen nur schwer eine Partnerschaft
ein. Sie flüchten in eine Ecke und wehren schreiend jeden auch
noch so harmlos gemeinten Kontakt ab. Genauso reagieren Frettchen, die
jahrelang nur zu zweit gehalten wurden. Sie können sich nur
langsam auf das Verhalten eines anderen Frettchens einstellen.
Aus Angst laufen sie evtl. dem ranghöheren Tier hinterher,
schreien ihm mit hohen Quietschtönen ins Ohr. Für uns ist
dies oft ein völlig unverständliches Verhalten, da das derart
verfolgte Tier scheinbar völlig harmlos ist. Doch das schreiende
Frettchen hat speziell mit diesem Tier oder mit anderen schlechte
Erfahrungen gemacht.
Einige Stichpunkte zum Verhalten
>Frettchen zeigen kaum ein Miemenspiel. Nur der gut beobachtende
Besitzer erkennt am Gesichtsausdruck das Befinden seines Tieres und nur
das Tier, das eine intensive Beziehung zu seinem Besitzer hat, teilt
sich so mit.
>Schwanzwedeln bedeutet spielerisches oder ernsthafteres Beutegreifverhalten.
>Beim Spielen und Toben wird übermütig mit dem Kopf geschlagen.
>Eine Verständigung der Frettchen untereinander in einem
eingespielten Rudel erfolgt u.a. durch Schnuppern an Ohren und
Analgegend, durch Schnauze auf die Kruppe legen, durch abwehrendes
kurzfristiges Maulaufreißen oder Heben der Vorderpfote, durch aufmunterndes Schubsen mit der Schnauze.

Zwei Tiere, die sich gut verstehen
>Frettchen können sehr lange Zeit Krankheiten überspielen.
>Futter wird nicht im Napf sondern daneben gefressen oder verschleppt.
>In Außengehegen können sehr lange und tiefe (über 1,20m) Gräben gebuddelt werden.
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